Beobachter dienen der Ermittlung schlecht oder nicht messbarer Prozessgrößen. Derartige Einrichtungen zur modellbasierten Rekonstruktion von Prozessgrößen werden mitunter auch als Software-Sensoren bezeichnet. Die zugrunde liegenden Modelle sind nichtlinear. Es werden sowohl klassische Zustandsbeobachter als auch Beobachter zur Rekonstruktion der Eingangssignale untersucht. Die entwickelten Entwurfsverfahren kombinieren differential-geometrische Zugänge mit High-Gain-Ansätzen.

Zustandsbeobachter
Der Beobachterentwurf gestaltet sich besonders einfach, wenn das System in die Beobachter-Normalform transformiert werden kann. In dieser Normalform treten die Nichtlinearitäten nur als Ausgangsaufschaltung in Abhängigkeit vom gemessenen Ausgang (und ggf. dem gemessenen Eingang) auf. Diese Entwurfsmethodik wurde 1983 von Bestle und Zeitz (Bestle, D.; Zeitz, M.: Canonical form observer design for non-linear time-variable systems. Int. J. Control, 1983, 38, 419-431) sowie von Krenen und Isidori (Krener, A. J.; Isidori, A.: Linearization by output injection and nonlinear observers. Systems & Control Letters, 1983, 3, 47-52) vorgestellt. Die Schwierigkeit besteht in den restriktiven Existenzbedingungen der Beobachter-Normalform bzw. ihrer komplizierten Berechnung. Als Ausweg bietet sich der erweiterte Luenberger-Beobachter an, bei dem die Fehlerdynamik in der Normalform linearisiert wird (Zeitz, M.: The extended Luenberger observer for nonlinear systems. Systems & Control Letters, 1987, 9, 149-156). Dieser Ansatz wurde auf eine beliebige Approximationsordnung erweitert. Außerdem konnten globale Konvergenzbedingungen für den erweiterten Luenberger-Beobachter angegeben werden.

Nichtlineare Beobachter-Normalform mit Ausgangstransformation
Veröffentlichungen:
Die Existenzbedingungen für eine exakte Linearisierung des Beobachtungsfehlers sind sehr restriktiv und daher in vielen praktischen Anwendungsfällen nicht erfüllt. Als Alternative bietet sich in diesen Fällen eine partielle Linearisierung da, d.h. eine Linearisierung bezogen auf eine geeignete Untermannigfaltigkeit des Zustandsraums.

Partielle Beobachter-Normalform
Veröffentlichungen:
Die Idee der High-Gain-Beobachter besteht darin, mit einer ausreichend starken linearen Fehleraufschaltung die Nichtlienaritäten des zu beobachtenden Systems zu dominieren. Dieser Ansatz wurde F. E. Thau zurück (Thau, F. E.: Observing the state of nonlinear dynamical systems. Int. J. Control, 1973, 17, 471-479).
Veröffentlichungen:
Ein vielversprechendes Anwendungsgebiet dieser Techniken ist die Zellbiologie. Die dort auftretenden Modelle zeichnen sich durch außerordentlich komplizierte Nichtlinearitäten aus. Die direkte Messung verschiedener Größen (z.B. Ionenströme durch eine Zellmembran) beeinflussen die Wechselwirkung der Zelle mit anderen Zellen. Zur Schätzung solcher Größen wurden Beobachter/Filter-Kombinationen vorgeschlagen bzw. Residuengeneratoren eingesetzt.

Potentialmessung an der Zellmembran
Veröffentlichungen: